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blond ist der neue R’n'B. Warum Frank Ocean der Zeitgeist-Komponist ist.

 frank_ocean_blond Albumcover

 

I

blond beginnt mit vocodierter Heliumstimme und cloudigen Rhodes. Die halbe Popwelt wartet also 1532 Tage auf das Nachfolgealbum zu Channel Orange (2012), auf die Rückkehr dieser besonderen Stimme, und dann gibt Frank Ocean die Micky Maus und lässt sein Publikum noch 3 Minuten länger warten, bevor er mit dem Outro von Nikes das perfekte Intro für blond schafft. Dieses Prinzip der Inversion zieht sich durch ein Album, das keine Radio-Hits aneinanderreiht, das weniger Sgt. Pepper denn White Album ist. Doch was vielerorts bemängelt wurde, ist seine eigentliche Stärke.

blond ist nicht zum Nebenbeihören gemacht oder als schnelle Endorphinschleudermaschine. Hier ist Ocean ganz Vertreter der Party-Hauntology. [...mehr von “blond ist der neue R’n'B. Warum Frank Ocean der Zeitgeist-Komponist ist.” ]

Kayne West ist eine Meerjungfrau

Kurz vor Weihnachten 2014 veröffentliche Beyoncé ohne große Ankündigung von heute auf morgen ihr Album XO und zeigte der breiten Masse einen Marketing-Trick, den Copperfield nicht besser hätte erdenken können. Aber anstatt sich mit dem Trick zu begnügen, vor der verblüfften Menge das Kaninchen aus dem Pop-Zylinder zu zaubern, machte sie die Zuschauer selbst zu weißen Kaninchen. Seitdem rennen diese Verfolger durch das Netz wie durch ein Wunderland, die Angst im Nacken, ein weiteres Release zu verpassen; stets ein »Too late, too late« auf den Lippen. Obwohl Surprise-Releases seitdem alles andere als selten geworden sind, erzielen sie doch noch immer den gewünschten Effekt: Neugier und Aufmerksamkeit.

Die Idee an sich ist nicht neu. Bereits 1842 erfährt der New Yorker Unternehmer P. T. Barnum von einer angeblichen Meerjungfrauen-Mumie. Die stellte sich schnell als Fälschung heraus, als eine Mischung aus Affe, Fisch, Pappmaschee und Farbe – was Barnum aber nicht interessierte. Er ließ stattdessen einen Londoner Biologen kommen, um die Echtheit des vermeintlichen Fundes zu bestätigen. Obwohl dieser Dr. J. Griffin niemand anderes als Barnums Mitarbeiter Levi Lyman war, lehnte er eine Ausstellung der Meerjungfrau ab. [...mehr von “Kayne West ist eine Meerjungfrau” ]

Die Entdeckung der Lässigkeit. Joshua Groß neuer Roman Faunenschnitt

 

 

 

Milos Archibald Novalsky, der „moderne Graf von St. Germain“, ist einer der faszinierendsten und zugleich unbekanntesten deutschen Schriftsteller. Seine Werke sind unauffindbar, einige wenige Originalausgaben sollen sich im Nachlass der Bibliothek von Borges befinden. Es ist wahrlich ein großes Pech für die Literaturgeschichte, dass dieser Gefährte von Brinkmann und Fauser, Bettpartner von May Spils (Regisseurin des unerreichten Zur Sache Schätzchen) sowie seltener Vertreter eines postmodernen, deutschen Literatursurrealismus so in Vergessenheit geriet, wie er es leider Zeit seines Lebens wollte.

Zum Glück gibt es Joshua Groß. Seine Romane, Erzählungen, Gedichte und Novellen sind auffindbar. Und mit dem diese Tage veröffentlichten Post-Roman Faunenschnitt entzündet er ein bengalisches Feuer, das man nicht vergessen wird und ebenso fasziniert, wie die Figur Novalsky, die durch die Buchseiten und Fußnoten geistert.

 

2105170_1_articledetailpremium_5765b1efde112Faunenschnitt ist eines dieser Bücher, das Lektoren um den Verstand bringt: Sie verzweifeln bei dem Versuch, einen Klappentext oder eine Zusammenfassung zu verfassen. Aber sie können auch nicht davon ablassen, weil es brillant geschrieben ist. Groß gibt der deutschen Literatur eine Sprache der Lässigkeit, die man ihr nicht mehr zugetraut hätte. Und einen Roman voller schimmernder Paralleluniversen; [...mehr von “Die Entdeckung der Lässigkeit. Joshua Groß neuer Roman Faunenschnitt” ]

Tee, Jay Z und primitive Gummibärchen. Das Joshua Groß Interview im ‘Magische Rosinen’ Double-Feature Part 2

joshua gross

In Teil zwei des Surfcore-DoubleBeatures (hier geht’s zu Teil Eins) zur Veröffentlichung von ‘Magische Rosinen’  kommt der Autor Joshua Groß selbst zu Wort. In ‘oder’-Fragen, die Sprungbretter in noch unbekannte Becken sind, die für ein zeitgemäß-dialektisches Weltprinzip zu kurz greifen  und gerade deswegen viele Verbindungen aufzeigen, die zwischen zwei niemals unschuldigen Wörtern liegen. Antworten mit Kopfsprung, Chiemsee oder Bombe.
Was der Autor während diesen Fragen trägt ist unerheblich. Was er trinkt wichtig, wird aber nicht verraten.

 

Belmondo oder Bogart?

Naiverweise würde man Belmondo vorziehen (einer fragwürdigen Ahnung ausgesetzt, die eigentlich nicht tragbar ist). Denkt man aber eingehender darüber nach, wird bald klar, dass die einzige logische Wahl Bogart ist (nahezu zwingend).

 

Agenten oder Komplizen?

Agenten erschöpfen sich in unzähligen Euro-Spy-Filmen und sie neigen dazu, entweder zu einsam zu sein, zu traurig oder zu ernst. Einsamkeit, Traurigkeit und notorische Ernsthaftigkeit sprechen gegen Agenten. Der Rest spricht für Komplizen.

 

Sarah Wagenknecht oder Lara Croft?
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Obst für die Weltrevolution: Joshua Gross Novelle ‘Magische Rosinen’ Part 1

Joshua Gross Magische Rosinen

 

 

 

‘Magische Rosinen’, die neue Novelle von Joshua Groß, feiert den Stil der Gegenkultur, des Exploitation, Western und Detektivromans. Dem wird man nicht anders gerecht, als mit einem Surfcore-DoubleBeature.


In Teil Zwei kommt der Autor selbst zu Wort und spricht über Tee, Transzendentalismus und Trash.

 

Und da steht sie einfach mitten im Hotelzimmer: Sahra Wagenknecht. Unerbittlich in akkurater Flechtfrisur, Slip, Nylons und den leichten Abdrücken eines Pistolenholsters am rechten Oberschenkel. Das haut nicht nur den Nachwuchsrapper Mascarpone um, sondern auch die eingemuffte, sich im ewigen Blick zurück selbst strangulierende deutsche Gegenwartsliteratur. [...mehr von “Obst für die Weltrevolution: Joshua Gross Novelle ‘Magische Rosinen’ Part 1” ]